Artikel in der LZ

die Lüneburger Landeszeitung hat über uns berichtet:

Ausstellung an der Universität will zeigen, wie das Schenken zur Lebenseinstellung wird
Gegen die Regalhaltung

Nicht nur als Überraschung zum Geburtstag: Für die Ausstellungsmacher_Innen ist Schenken ein Lebensstil.

hum Lüneburg. Eine Zickzack-Linie an der Wand erzählt die ungewöhnliche Reise eines Buches. Statt im Regal zu verstauben, nachdem es gelesen wurde, wechselte es mehr als 120-mal den Besitzer. Bookcrossing heißt diese Form des Büchertauschs. Das Buch ist Teil der Ausstellung „Schenken 2.0 – die Dinge im Fluss halten“, die von heute bis Donnerstag an der Uni gezeigt wird. Die Schau zeigt geschenkte Gegenstände und will deutlich machen: Schenken kann mehr sein als eine Aufmerksamkeit zum Geburtstag, es ist eine neue Lebensweise. „Die Ausstellung stößt einen Austausch über Bedürfnisse und ein gutes Leben an“, sagt Co-Initiatorin Svea Blieffert. In allen Projekten gehe es um das Weitergeben von Gegenständen ohne Geld und oft ohne Gegenleistung. Die Wanderausstellung erzählt Schenk-Geschichten aus Deutschland und Polen. Svea Blieffert, Studentin der Nachhaltigkeitswissenschaften, interviewte Menschen, die in Umsonstläden und beim Online-Verschenknetzwerk „Freecycle“ stöberten oder ganz ohne Geld leben. Die Journalistin und Fotografin Sylwia Strebska traf in Warschau Menschen vom Kleidertauschprojekt „Uwolnij Lacha“ („Befreie deine Klamotten“) und dem Gemeinschaftstauschsystem „Wymiennik“ („Tauschbörse“).

Die Erlebnisse illustrieren die Ausstellerinnen mit Fotos, Texten und Audiobeiträgen von den Geschichten der Beschenkten und Schenkenden. Zum Beispiel von Ola Monola. Die Initiatorin von „Uwolnij Lacha“ berichtet im Interview, wie aus einer kleinen privaten Kleidertauschinitiative ein Projekt wurde, das heute in ganz Warschau bekannt ist. „Wir haben gemerkt, dass es einen gigantischen Bedarf für solche Aktionen in der Gesellschaft in Polen gibt“, sagt sie. Für Strebska ist das Schenken „eine Antwort auf die Krise und die Armut in Polen“. Auch Lüneburger Projekte wie der Umsonstladen „Die Zwiebel“ sind Teil der Ausstellung. Immer stehen die Menschen und ihre Motive für das Schenken im Mittelpunkt.

Manchen geht es dabei mehr um eine ressourcenschonende Lebensweise, anderen darum, systematisch ohne Geld auszukommen. „In den Geschichten spürt man, dass es den Menschen mehr bedeutet, als ökologischer zu handeln oder Geld zu sparen. Die Projekte funktionieren gegen die Logik von Geld verdienen und ausgeben und bleiben dennoch über Jahre und trotz Rückschlägen zum Beispiel durch Vandalismus erhalten,“ erklärt Ilka Wäsche, Umweltwissenschaftlerin und Ausstellungsgestalterin.

Die Idee zur Ausstellung entstand am Küchentisch: Blieffert, die ihre Bachelorarbeit über das Schenken als neue Nutzungsform schrieb, bewegte die Frage, ob derartige Projekte tatsächliche Wege hin zu einer nachhaltigen Lebensweise sind. Während sie forschte, lernte Strebska beim Ausmisten alter Sachen Schenk- und Tauschprojekte in Warschau kennen. Bliefferts Forschungsfragen und Strebskas Praxisferfahrungen waren fruchtbarer Humus für das gemeinsame Projekt. Gefördert wird das Ausstellungsprojekt vom „Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen“ und verschiedenen Stiftungen.

Am Ende wartet eine alte Schreibmaschine auf den Besucher. Endlospapier ist dort eingespannt – zusammen mit der Frage „Können Menschen selbstlos schenken?“. Die Antworten der Interviewpartner sind bereits abgetippt. „Wir sind gespannt, was die Besucher dem hinzufügen“, lädt Svea Blieffert ein. Die Vernissage findet heute um 16.30 Uhr im Gebäude 9 an der Scharnhorststraße statt.

(Landeszeitung für die Lüneburger Heide vom 26. Februar 2013)

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